Wie viel Dialekt darf denn sein?

Viele Menschen, die öffentlich sprechen müssen, stellen sich die Frage: „Darf ich überhaupt Dialekt oder Mundart sprechen?“ Und wenn ja, wie viel? Auch im Präsentationstraining wird diese Frage häufig gestellt.

Wegweiser, Bild: F. Schrei

Um sie beantworten zu können, ist es zunächst wichtig zu überlegen, was wir unter „Dialekt“ verstehen:

Sprechen wir von

  1. einem tiefen Ortsdialekt eines bestimmten Dorfes
  2. der regionalen Umgangssprache einer Region
  3. einem leichten Dialektakzent, der zum Beispiel für ein ganzes Bundesland üblich und verbreitet ist, oder
  4. einer überregionalen Sprechsprache, die keine regionalen Bezüge hat. Dazu gehören auch Minderheitensprachen oder Jugendsprache

Im ersteren Fall ist der Dialekt sicherlich nur dann angebracht, wenn Sie „unter Ihresgleichen“ sprechen. Im Heimatverein ist es vielleicht sogar vonnöten den Ortsdialekt zu sprechen, denn es trägt zur Akzeptanz und Identifikation bei.

Bei allen anderen Auftritten müssen wir genauer differenzieren: Einerseits kann ein regionaler Klang oder sogar eine eindeutig bestimmbare Regionalsprache durchaus etwas zu Ihrer Persönlichkeit beitragen, kann Ihre Sympathie steigern und Ihrer Rede eine individuelle Note verleihen. Zu viel Regionalsprache kann andererseits aber auch Akzeptanz kosten und vom sachlichen Inhalt ablenken (Lamp et.al. Mainz, 2008). Sie als SprecherIn können bei der Verwendung von zu viel regionalem Dialekt an Glaubwürdigkeit einbüßen.

Meine Empfehlung:
Wägt man die Argument ab, ist es wohl wie so oft angebracht bei öffentlichen Vorträgen einen Mittelweg zu wählen. Ein leichter Dialektakzent, der regional verortet werden kann, steigert nachweislich die Aufmerksamkeit Ihrer Zuhörer. Ja, mehr noch: sie erinnern sich sogar besser an den Inhalt Ihrer Ausführungen (Lamp, 2008).

Regionalität ist „in“.
Nicht nur beim Einkauf im Supermarkt fällt auf, dass Regionalität ist wieder gefragt. Auch eine „Renaissance der Dialekte“ stellen die Sprachwissenschafler seit einigen Jahren fest. Für Präsentatoren gilt: Gestehen Sie sich ruhig ein wenig mehr Regionalsprache zu. Regiolekt nennt das der Dialektforscher Alfred Lameli von der Uni Marburg. Und der Sprachwissenschaftler Otto Kronsteiner hat für den Süddeutschen Sprachraum diesem Zusammenhang kürzlich den Begriff des „Südhochdeutschen“ eingeführt (Münchener Merkur, 22.08.2014). Das rechte Maß zwischen sprachlicher Eigenheit und hochsprachlichem Vortrag hat einen großen Vorteil für SprecherInnen, ganz gleich aus welcher sprachlichen Region sie stammen: Sie entgehen der Gefahr sich „verstellen“ zu müssen, sie erleben sich authentisch und das wiederum unterstützt ihre Selbstsicherheit. Darüber hinaus kann, wer in der ihm eigenen Sprache präsentiert, auch Emotionen leicht und eindeutig einfließen lassen. Diese wiederum verstärken die Glaubwürdigkeit.

Um hierbei das richtige Maß zu finden, kann es hilfreich sein einen Präsentationstrainer zu Rate zu ziehen. So zeigt sich, dass sich das Feingefühl für die eigene Sprechsprache bei den meisten PräsentatorInnen nach wenigen Übungseinheit deutlich verstärkt und es ihnen viel leichter fällt, sich selbst sicher einschätzen zu können.

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